Außerhalb der Festivalwoche/ des regulären Programms

Mittwoch, 17. Juni 2015

Buchpremiere:
Oliver Schröm (Irfan Peci und Johannes Gunst)

Der Dschihadist
Terror made in Germany – Bericht aus einer dunklen Welt

Vom Gotteskrieger zum Agenten – Der erste Bericht eines deutschen V-Manns aus dem islamistischen Milieu

Moderation: Daniel Gerlach

Der Agent heißt Irfan Peci, geboren 1989 in Serbien, in der Oberpfalz aufgewachsen und wurde 2007 zum Chef der Globalen Islamischen Medienfront (GIMF), des deutschen Sprachrohrs von al-Qaida. Das BKA enttarnt ihn, der Verfassungschutz wirbt ihn als V-Mann an. Im Buch erzählt Irfan Peci seine Geschichte.

„Meine Geschichte ist die Geschichte einer Radikalisierung, wie sie sich jeden Tag überall auf der Welt vollzieht. Auch in vielen Jugendzimmern mitten in Deutschland, dafür bin ich der lebende Beweis“, sagt Peci.
„Ich wollte stark sein. Ich wollte Chef sein. Ich wollte der Langeweile entkommen. Jetzt habe ich reinen Tisch gemacht. Ich will einen Schlussstrich unter meine Vergangenheit als V-Mann und Dschihadist ziehen. Ich habe genug Fehler begangen in meinem Leben. In beiden Rollen. Vielleicht kann ich anderen dabei helfen, solche Fehler zu vermeiden. Ich weiß auch um das Risiko dieser Generalabrechnung, doch nun gibt es kein Zurück mehr.“

Oliver Schröm und Johannes Gunst, die beiden Journalisten und (Mit-)Gründer des Ressorts Investigative Recherche beim Stern, haben für das Buch Pecis Erinnerungen um etliche Daten und Fakten ergänzt. Basierend auf tausenden Seiten von vertraulichen Dokumenten kontrastieren sie Pecis Werdegang als Salafist und V-Mann, decken die Vorgehensweise der Behörden auf, zeigen, wie V- Leute aufgebaut werden, und erkunden die politischen Hintergründe des Antiterrorkampfes auf nationaler und internationaler Ebene. Sie zeigen auch, wie deutsche Sicherheitsbehörden selbst in Konflikt mit jenem Rechtsstaat geraten, den sie eigentlich schützen sollen.

Im Rahmen von READ!BERLIN feiert das Buch seine Premiere. Oliver Schröm im Gespräch mit Daniel Gerlach und dem Publikum. Helmut Kuhn liest aus dem Buch.

Oliver Schröm

Oliver Schröm

Oliver Schröm, geboren 1964, gründete und leitet beim stern das Ressort Investigative Recherche und profilierte sich mit Enthüllungsbüchern über Terrorismus, Nachrichtendienste und die CDU-Parteispendenaffäre. Zuletzt erschien von ihm der Bestseller Geld Macht Politik (gemeinsam mit Wigbert Löer). Schröm ist Vorsitzender der Journalistenvereinigung netzwerk recherche.

 

Foto: Enver Hirsch

Daniel Gerlach

Daniel Gerlach

Daniel Gerlach, Autor und Journalist, studierte Geschichte und Orientalistik in Hamburg und Paris. Er ist Mitherausgeber und Chefredakteur des Magazins „Zenith – Zeitschrift für den Orient“ und Mitgründer des Deutschen Levante Verlags. Der Verfassungsrechtler Naseef Naeem und er leiten die Nahost-Expertengruppe zenithCouncil. Zuletzt erschien von ihm „Herrschaft über Syrien – Macht und Manipulation unter Assad“.

Foto: Raha Namwar / zenith

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn

Helmut Kuhn, studierte Geschichte und Publizistik in Berlin und Paris. Er arbeitete bei der deutsch-jüdischen Zeitschrift Aufbau in New York und lebt heute als freier Journalist und Autor in Berlin. Kuhn schreibt u.a. für die Süddeutsche Zeitung, Die Zeit, Neue Zürcher Zeitung, Stern, Focus und mare. 2002 erschien sein vielbeachtetes Romandebüt „Nordstern“. Als Co-Autor verfasste er zusammen mit Murat Kurnaz „Fünf Jahre meines Lebens. Ein Bericht aus Guantanamo“ (2007), über den John Le Carré schrieb: „Der mitfühlendste, ehrlichste und würdevollste Bericht über die Schande Guantanamo, den es je gegeben hat.“ Sein Roman „Gehwegschäden“ erschien im Frühjahr 2012.

Foto: Oliver Kern (ursprüngliches Original)

Termin

Mi, 17.6.2015, 20:00 Uhr
Ort: Buchhandlung Tucholsky | Karte

AK: 9 €, VVK: 8 €, ermäßigt: 6 € | Tickets

Sonntag, 10. Mai 2015

Lydia Davis

Kanns nicht und wills nicht

Moderation: Thomas Böhm

Lydia Davis schreibt in allen Fällen mit großer Präzision, mit Witz und Intelligenz und einem geschärften Blick für die Unerfreulichkeiten des täglichen Lebens. Da sie nichts als gegeben hinnimmt, überschreitet sie auch ständig die Grenzen der literarischen Konventionen, der Genres und Gepflogenheiten – und das macht ihr Werk zu einer Fundgrube für überraschende Entdeckungen. Sie scheut weder das intellektuelle Vergnügen noch die Nähe der Intimität.
Ob es sich um die ironische Aufzählung von Lesevorlieben handelt oder um die ungemein intimen Erinnerungen einer Frau an ihre verstorbene ältere Schwester, um die trocken notierten Schwierigkeiten mit renitenten Dienstmädchen oder die Essgewohnheiten von Großstadtneurotikern: Lydia Davis zu lesen erweitert nicht nur den Horizont, es weist uns auch auf unerwartete Freuden in unser aller rätselhaftem Alltag hin. 

Lydia Davis

Lydia Davis

Lydia Davis, 1947 in Massachusetts geboren, lebt in der Nähe von New York. Ihre zahlreichen
preisgekrönten Geschichten erschienen gesammelt in den Collected Stories, 2009; außerdem veröffentlichte sie den Roman The End of the Story, 1995. Sie übersetzt aus dem Französischen, u.a. Blanchot, Butor, Flaubert, Jouve, Leiris und Proust. 2013 erhielt sie den Man Booker International Prize.

Thomas Böhm

Thomas Böhm

Thomas Böhm, geboren 1968 in Oberhausen, war Programmleiter des Literaturhauses Köln (1999-2010), des internationalen literaturfestivals berlin (2012 – 2014), des Ehrengastauftritts Islands bei der Frankfurter Buchmesse 2011 und Kurator von „Auftritt Schweiz“ an der Leipziger Buchmesse 2014

Termin

So, 10.5.2015, 20:00 Uhr
Ort: Admiralspalast Karte

AK: 9 €, VVK: 8 €, ermäßigt: 6 €